Laßt mich in Heiterkeit gehen .....
19.04.2008 00:16Laßt mich in Heiterkeit gehen .....
Ein Mitglied der Deutsch-Vietnamesischen Freundschaftsgesellschaft stellte uns den folgenden Brief und Kommentar zur Verfügung, der 1996 nach Abdruck in einer wissenschaftlichen Zeitschrift Vietnams in eine breite Öffentlichkeit gelangte.
"Absender" ist der Arzt, Historiker und Kinderpsychologe Nguyen Khac Vien, und "Empfänger" sind in erster Linie seine Berufsgenossen, die Ärzte, ist jedoch gezielt auch eine Öffentlichkeit - für die das Wort "Euthanasie" keinen historischen Bezug hat.
AN MEINE KOLLEGEN MEDIZINER: Ich bin 83 Jahre alt. Seit mehr als 40 Jahren leide ich an einer schweren Beeinträchtigung meiner Atemorgane. Wenn mir etwas zustoßen sollte, etwa eine weitere schwere Krankheit o.ä...., dann bitte ich den medizinischen Dienst, meinen folgenden Willen zu respektieren:
- Keine weiteren klinischen Maßnahmen, Analysen, Röntgenaufnahmen etc. zu versuchen,
- keine Therapie, keine Operation, Blutübertragung, künstliche Beatmung.
Lassen Sie mich in Heiterkeit gehen, verkürzen Sie die Tage der Bettlägerigkeit, ... abhängig von anderen bei den elementarsten Lebensbedürfnissen. Die Verlängerung meines Lebens um einige Tage oder einige Monate wäre eine Last für mich selbst, für meine Frau, für mein Kind und meine Freunde. Ich wünsche nur schmerzstillende Mittel, Morphium wenn nötig. Ich werde mich gegen die Nichtbeachtung dieses Wunsches wehren, ich erkläre, daß ich für mich selbst verantwortlich bin.
Vor allem ältere Intellektuelle in Vietnam, die sich zum
Konfuzianismus bekennen, haben viel Verständnis für des Kollegen Wunsch artikuliert. Solange das Wasser fließt, muß das trockene Reisfeld gegossen werden, sagt ein altes vietnamnesisches Sprichwort, und die Medizin sollte sich daran halten und Leben retten, solange es geht, aber nicht den Tod aufhalten, wenn es kein Wasser mehr gibt.... Und warum, fragt er (N.K. Vien, der "Absender" des Briefes), gibt es nicht auch für das Sterben spezielle Helfer, wie für die Geburt? Ho sinh heißen die Hebammen auf Vietnamnesisch: Helfer, um ins Leben zu kommen. Und so müßte es auch Ho tu geben, Helfer, dieses Leben in Ruhe und Heiterkeit zu verlassen."
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